Exponat des Monats 11/2019

Aus Rotkreuz Museum Innsbruck
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Rettungsleitstelle Innsbruck-Stadt – ein Rückblick in Bildern

Am 2. November 1999, um 20 Uhr, wurde der Betrieb der Rettungsleitzentrale Innsbruck der Freiwilligen Rettung Innsbruck am Standort Innsbruck, Sillufer3, eingestellt und die Disponierung der Fahrzeuge zunächst nur des Roten Kreuzes Innsbruck, später auch der Bezirksstellen Hall in Tirol, Wattens, Innsbruck-Land, Telfs sowie ab 2002 auch Kufstein durch die Bereichsleitstelle Tirol-Mitte in der Eduard-Bodem-Gasse 2 übernommen. Mit dem Ende der hauseigenen Leitstelle des Roten Kreuzes Innsbruck endete vor zwanzig Jahren eine Ära, welche vor 90 Jahren mit der Installation des ersten Telefonanschlusses in der Rettungsstation der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck im Rathaus ihren Anfang genommen hatte. Mit der als überörtliche Leitstelle konzipierten Bereichsleitstelle Tirol-Mitte begann eine neue Entwicklung, die mit dem Ende der Tiroler Bezirksleitstellen ab Beginn des Rettungsdienstes Tirol im Juli 2011 und in der zentralen Disponierung des Rettungs- und Krankentransportdienstes für das ganze Bundesland durch die Leitstelle Tirol ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat.

Im Folgenden ein Rückblick in Bildern auf die hauseigenen „Leitstellen“ des Roten Kreuzes Innsbruck:

Karl Dornach: Das „Freiwilligenzimmer“ in der Rettungsstation Innsbruck, ~1910. – Fotografie (Ansichtskarte), s/w, 14 x 9 cm (B x H). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck
Bereits bei Aufnahme des öffentlichen Rettungsdienstes durch die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck am 1. Oktober 1907 standen bis Ende des Jahres 1907 105 Verständigungen der Rettungsabteilung durch den Telefonanschluss der Feuerwehr unter der Rufnummer 359 nur 26 Alarmierungen durch die Polizei, 20 durch andere Personen, 35 durch Patienten selbst und 11 durch Telegraph gegenüber. Im Zusammenhang mit neuen Räumlichkeiten, die der Rettungsabteilung im Rathaus, in dem sie von Anfang an ihre Station gehabt hatte, von der Stadt zur Verfügung gestellt wurden, erhielt diese im Jahre 1909 auch ihren ersten Telefonanschluss mit der Rufnummer 300. Die Aufnahme zeigt links im Bild diesen ersten Telefonanschluss. In technischer Hinsicht könnte man die Installation dieses Telefonanschlusses als ersten Schritt in Richtung einer Leitstelle betrachten: Für die Anforderung des Rettungsdienstes stand mit dem Fernsprecher bereits ein technisches Hilfsmittel zur Verfügung, wenn auch die Disponierung des Pferdegespannes und die Transportdokumentation noch „händisch“ erfolgt sein dürfte.
Niczky von Niczk: Pye Station Assembly PTC 723N, 1957. – Fixstation der ersten Sprechfunkanlage der Freiwilligen Rettung Innsbruck (1956) in der Kanzlei des 1926/27 Rettungsheimes in der Wilhelm-Greil-Straße 23. – Fotografie: s/w, 24 x 17 cm. – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.
Im Oktober 1956 erwarb die Freiwillige Rettungsgesellschaft Innsbruck ihre erste Sprechfunkanlage. Damit konnte erstmals in der Geschichte der Freiwilligen Rettung Innsbruck ein auf Fahrt befindlicher Rettungswagen für einen Folgeeinsatz alarmiert werden. Es handelte sich um ein System der der britischen Firma Pye Telecommunications Ltd.. Angekauft wurden eine Fixstation vom Typ PTC723N, eine Mobilstation (für den Fahrzeugeinbau) vom Typ PTC114/5, zwei Fahrzeugfunkgeräte vom Typ „Reporter“ PTC116/7 sowie ein Handfunkgerät vom Typ PTC122. Die oben abgebildete Fixstation wurde einfach in der Kanzlei aufgestellt, wo damals noch unter der Notrufnummer 44 44 auch die Anrufe eingingen und die Transportdokumentation und -verrechnung erfolgte, sodass man von jetzt an wohl von einer „Leitstelle“ im Vollsinn sprechen kann.
Die neue Leitstelle im Wacheneubau der Freiwilligen Rettung Innsbruck am Sillufer 3, 1970. – Fotografie, s/w, 24 x 18 cm (L x B). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.
In den Jahren 1968-1970 hatte die Freiwillige Rettungsgesellschaft Innsbruck neben dem ehemaligen Tivoli-Sportplatz am Sillufer ihre zweite Wache errichtet. In einen Raum im Erdgeschoss, direkt neben dem Haupteingang, wurde erstmals eine moderne Leitstelle eingeplant.


Friederike Murauer: Inbetriebnahme der Rettungsleitzentrale Innsbruck im ersten Stock der Rettungswache der Freiwilligen Rettung Innsbruck am Tivoli, 25.10.1980. – Fotografie, 17 x 12 cm (L x B). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck
1980 übersiedelte die Leitstelle in den ersten Stock und wurde durch eine Rettungsleitzentrale nach Münchner Vorbild ersetzt. Die Münchener Leitstelle galt damals als die modernste in Europa. Die Technik wurde von der Firma AEG Telefunken bereitgestellt. Sie bestand aus drei gleichberechtigten Bedientischen, die unabhängig voneinander, aber auch untereinander korrespondierend betrieben werden konnten. An jedem von ihnen liefen 22 Telefonleitungen und 10 Funkkanäle auf. Damit waren außer den Leitungen für die Notrufannahme Direktverbindungen zu anderen Einsatzorganisationen, Behörden, der Innsbrucker Klinik, den Landesrettungsfrequenzen Salzburg und Vorarlberg etc. möglich. Komplettiert wurde die Anlage durch technische Zusatzeinrichtungen wie einer Funkkreiszusammenschaltung, Weiterleitung von Telefonaten an Funkgeräte, Fangvorrichtung zur Ermittlung von Falschanrufern, Tonbandaufzeichnung für Telefon und Funk etc.
Headline der „Innsbrucker Nachrichten“ vom 27.10.1980. – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.
Schrank mit Nottelefonen als Ausfallsebene für die normalen Kommunikationseinrichtungen in der Rettungsleitzentrale im ersten Stock der Wache der Freiwilligen Rettung Innsbruck am Tivoli, ~1980. – Fotografie: 15 x 10 cm (B x H). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.
Friederike Murauer: Einweihung der Landesrettungsleitstelle in der Leitstelle der Freiwilligen Rettung Innsbruck am 14.06.1992 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 85-jährigen Bestandsjubiläum des Roten Kreuzes Innsbruck mit Vertretern des Landes Tirol sowie der Stadt Innsbruck: Obmann Hans Graßmayr, Landeshauptmann Alois Partl, Präsident des Landesverbandes Tirol des Österreichischen Roten Kreuzes Arthur Thöni, Landtagspräsident Reissigl, Landesrettungskommandant Karl Pobitzer. Die Landesrettungsleitstelle Tirol wurde 1992 aufgrund gesetzlicher Vorgaben neu geschaffen und in die Rettungsleitzentrale Innsbruck integriert. Sie erhielt einen eigenen Bereich, der durch ein Sichtfenster von der Leitstelle der Freiwilligen Rettung Innsbruck abgetrennt war. – Fotografie: 15 x 10 cm (B x H). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.
Friederike Murauer: Die Leitstelle der Freiwilligen Rettung Innsbruck im Jahre 1995. Links im Bild der heutige Geschäftsführer des Landesverbandes Tirol des Österreichischen Roten Kreuzes, Thomas Wegmayr. – Fotografie: 17 x 12,5 cm (B x H). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.
Abbau der Leitstelle der Freiwilligen Rettung Innsbruck mit Hilfe der Berufsfeuerwehr Innsbruck im Oktober 2000, nachdem der Betrieb am 02.11.1999 eingestellt und auf die Bereichsleitstelle Tirol-Mitte übergegangen war. Einer der Leitstellentische mit vollständiger Kommunikationseinrichtung wurde damals für das Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck aufgehoben. Irrtümlicherweise wäre er bei Auflösung eines Außenlagers der Freiwilligen Rettung Innsbruck ohne Kenntnis des Archivars fast vernichtet worden, wurde aber durch die Geistesgegenwart des Eigentümers der Fa. FairRescue, Harald Mair, von diesem gerettet und wird nun in einem Lager von FairRescue für das Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck zur weiteren Verwendung vorgehalten. In dem Raum, in dem die Leitstelle untergebracht war, befindet sich heute mit dem Dr.-Otto-Kölner-Saal der dritte von insgesamt sechs Lehrsälen des Roten Kreuzes Innsbruck. – Fotografie: 13 x 9 cm (B x H). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.


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Ernst Pavelka, 18.11.2019.