Exponat des Monats 11/2016

Aus Rotkreuz Museum Innsbruck
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Im ⇨ Online-Museum wird jeden Monat ein Gegenstand aus dem ⇨ Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck vorgestellt.

Kurbeltelefon mit Kaiserwappen der Ericsson Österreichische Elektrizitäts-AG.

Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck: Kurbeltelefonapparat (Holz, Metall), Telefon ca. 20x12,5x32 cm (BxTxH), Glocke ca. 10,5x6 cm (⌀xH); auf der Rückseite Firmenemblem der Ericsson Österreichische Elektrizitäts AG. vorm. Deckert & Homolka ; auf der Vorderseite Kaiserwappen aus Metall (Messing?).

Im Adressbuch der Landeshauptstadt Innsbruck für das Jahr 1910 mit Stand 1.12.1909 wird zur Anforderung der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck für Unglücksfälle und Krankentransporte mit der Nummer 300 erstmals nicht die Telefonnummer der Feuerwehr, sondern eine eigene Telefonnummer der Rettungsabteilung genannt. Im Jahre 1909 war die Rettungsabteilung, damals noch im zweiten Hof des Neuen Rathauses untergebracht, im Zuge einer Neugestaltung ihrer Räumlichkeiten auch mit einem Telefonanschluss mit zehn Nebenstellen ausgestattet worden.

Das „Freiwilligenzimmer“ in der Rettungswache im Neuen Rathaus mit dem neu installierten Telefonanschluss (li.).

Im Jahresbericht für das Jahr 1909 heißt es:

„Der freiwilligen Mannschaft konnte ein schöner großer Raum zum Aufenthalte während des Tages und zur Nachtzeit zugewiesen werden. Derselbe dient gleichzeitig als Kanzlei. In diesem Raum wurde auch das Telefon mit eigenem Schaltbrette für zehn Nebenstellen angebracht. Um bei einem vorkommenden größeren Unglücke genügend Mannschaft zur Stelle zu haben, erhielten sechs Mitglieder Wohnungs- bezw. Geschäftstelephone mit direkter Verbindung. Diese Telephonanlage wurde mit der für die Bevölkerung leicht zu behaltenden Nummer 300 an das Staatstelephonnetz angeschlossen.“
Dritter Jahresbericht der Rettungs-Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck 1909. Freiwillige Feuerwehr Innsbruck (Hg.). Innsbruck: Selbstverlag, 1910, S. 6-7.

Das gegenständliche Kurbeltelefon ist zwar nicht jenes erste, im Aufenthaltsraum installierte Gerät, es muss aber kurz danach, vielleicht an einer der Nebenstellen, in Verwendung gestanden sein. Aufgrund des Firmenemblems kann die Entstehung auf frühestens 1911 angesetzt werden, da erst in diesem Jahr aus einem 1908 geschlossenen Kooperationsvertrag zwischen der Deckert & Homolka mit dem schwedischen Unternehmen Ericsson die Ericsson Österreich Elektrizitäts AG hervorgegangen war. Das Kaiserwappen auf der Vorderseite trägt die Initialen Kaiser Franz Josefs I., „FJI“. Somit wird der Apparat zwischen 1911 und 1916 hergestellt worden sein. 1922 war er jedenfalls noch in Betrieb: Unter einen Metalldeckel auf der Unterseite des Sockels, der zum Batterietausch diente, wurde ein Kalenderblatt vom 17. Juni 1922 mittels Zuschnitts eingepasst, das auf das letzte Wartungsdatum (Batteriewechsel) hindeuten könnte.

In technischer Hinsicht handelt es sich um einen sog. „Ortsbatterieapparat“. Beim Ortsbatteriebetrieb, der in der Frühzeit der Telefonie (in Österreich seit 1881, in Innsbruck seit 1893) eingesetzt wurde, wird die Spannung für die Speisung des Mikrophons zur Aufrechterhaltung der Sprechverbindung durch eine bei der jeweiligen Sprechstelle, also beim Teilnehmer, angebrachte Batterie bereitgestellt. Aufgrund verschiedener Nachteile des Ortsbatteriebetriebes, wie einem hohen Wartungsaufwand, wurde dieser später durch den Zentralbatteriebetrieb, bei dem die Batterie zur Speisung der Teilnehmersprechstellen in der Telefonzentrale unterbracht ist, abgelöst. Durch Betätigung der Kurbel hingegen wird eine Spannung induziert, um die jeweilige Gegenstelle, normalerweise das zuständige Wählamt, anzuläuten. Im Wählamt stellte eine Telefonistin mittelst Steckverbindungen an einem sog. „Klappenschrank“ die Verbindung zum gewünschten Teilnehmer her.

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Ernst Pavelka