Exponat des Monats 08/2019

Aus Rotkreuz Museum Innsbruck
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Fliegende Sanitätswache bei der Landesjahrhundertfeier 1909 / Fotografisches Atelier Zech

Zwischen 22. August und 8. September 1909 fanden in Innsbruck zahlreiche Feierlichkeiten aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums des Tiroler Freiheitskampfes von 1809 statt. Bei den über die ganze Stadt verteilten Veranstaltungen bewältigte die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck ihre erste Großambulanz. Höhepunkt der Feierlichkeiten, zu denen auch der Kaiser angereist war, war ein Festzug von 33000 Schützen, der von 100000 Zuschauern verfolgt wurde. Alleine an den Hauptfesttagen von Samstag, dem 28., bis Montag, dem 30. August, wurden von den Mitgliedern der Rettungsabteilung 792 Stunden geleistet. Versorgt wurden 17 Erschöpfungs- und Ohnmachtsanfälle, 33 Risswunden am Daumen, die sich Schützen und Soldaten beim Öffnen von Konservenbüchsen zugezogen hatten, fünf epileptische Anfälle, drei Rissquetschwunden, drei Risswunden, drei Hiebwunden, zwei Verbrennungen, eine Atemnot, ein kardialer Notfall, ein Wespenstich auf der Zunge sowie einmal Nasenbluten. Insgesamt verzeichnete man 70 Versorgungen.

Ein einziges Foto der Ambulanz hat sich im Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck erhalten:

Photographisches Atelier Zech: Ambulanzwache der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck bei der Landesjahrhundertfeier 1909 auf dem Areal der Klosterkaserne. – Fotografie (Ansichtskarte), s/w, 9 x 14 cm (B x H). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.

Der Exerzierplatz der Klosterkaserne (1849-1967, dann „Fennerkaserne“, 1984 Abriss der Kaserne, seit 1997 Sozial- und Wirtschaftswissenschaftsliche Fakultät der Universität Innsbruck) war für die Landesjahrhundertfeier Ende Juli 1909 vom Stadtbauamt in eine Festwiese umgewandelt worden. Von 22. August bis 8. September boten auf dem 26000 m² großen Platz neben einem Restaurationsbetrieb für 3000 Personen, der auch ein Kaffeehaus umfasste, für das eigens ein Wiener Kaffeekoch engagiert worden war, verschiedene Bratstände und Verkaufszelte ihre Waren feil. Dazu kamen Schaubuden, Schießhallen, ein Karussel, eine Schiffsschaukel sowie der Auftritt verschiedener Schaukünstler, wie einem Seiltänzer. Auf dem Areal fanden außerdem täglich Konzerte der Wiltener Musikkapelle sowie verschiedener bekannter Tiroler Schützenkapellen statt.

Die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck stellte auf dem Areal jeden Abend eine „fliegende Sanitätswache“. Die fliegenden Wachen – heute spricht man von „mobilen Santeams“ – waren üblicherweise mit einem Gruppenkommandanten sowie drei bis vier Sanitätsmännern besetzt. Auf der vorliegenden Aufnahme vor dem Zelteingang stehend, mit Vollbart, Gruppenführer-Stellvertreter Josef Elsensohn (hier wahrscheinlich in der Funktion des Gruppenkommandanten), rechts sitzend wahrscheinlich Sanitätsmann Anton Resch, links stehend möglicherweise Sanitätsmann Heinrich Bederlunger. Der vierte „Samariter“, wie Sanitäter damals genannt wurden, konnte nicht identifiziert werden.

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Ernst Pavelka, 14.08.2019