Exponat des Monats 05/2019

Aus Rotkreuz Museum Innsbruck
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Das „Freiwilligenzimmer“ in der Rettungsstation Innsbruck, Fotografie, 1910

Karl Dornach: Das „Freiwilligenzimmer“ in der Rettungsstation Innsbruck, ~1910. – Fotografie (Ansichtskarte), s/w, 14 x 9 cm (B x H). – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck
Die Aufnahme zeigt das Zimmer für die Freiwilligen, einen von insgesamt drei zusätzlichen Räumen, welche die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck durch einen gerade neu errichteten Quertrackt des Rathauses im Jahre 1909 von der Stadt Innsbruck erhalten hatte. Links der erste Telefonanschluss der Rettungsabteilung. – Es handelt sich um die einzige erhaltene Aufnahme von Innenräumen der ehemaligen Rettungstation im Rathaus.

Die erste Rettungsstation im Rathaus, 1907

Die am 12.04.1907 gegründete Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck hatte ihre erste Station im zweiten Hof des sogenannten „Neuen Rathauses“ in der Maria-Theresien-Straße 18, wo auch die Freiwillige Feuerwehr Innsbruck untergebracht war, gehabt. Es handelte sich um ein einziges Zimmer in den Räumlichkeiten der ehemaligen Polizeimessstation. Dieses war Verbandszimmer wie auch als Aufenthalts-, Schlaf-, Sitzungs- und Versammlungsraum. Bereits zwei Jahre später war der der Rettungsabteilung ursprünglich im Juli 1907 von der Stadt Innsbruck überlassene Raum den Anforderungen allerdings nicht mehr gewachsen.

Vergrößerung der Rettungsstation im Jahre 1909

Im Feber 1909 hatte die Stadt Innsbruck im Zuge der Klärung von Rechtsverhältnissen vom Unternehmer Leonhard Lang (1843-1928) einen hinter dem Rathaus, an der Fallmerayerstraße gelegenen Garten zur freien Verfügung erhalten. Leonhard Lang und seine Frau Clara hatten der Stadt schon 1897 den in ihrem Eigentum gestanden habenden ehemaligen Gasthof Österreichischer Hof unter der Bedingung als neues Rathaus überlassen, dass diese für die weitere Ausbildung der Zöglinge des Sieberer'schen Waisenhauses ein Studenten- und Lehrlingsheim erbauen und den aus dem Waisenaus ausgetreten Mädchen für vier Jahre ein der Ausbildung gewidmetes Stipendium von 200 Gulden jährlich bezahlen müsste. Nachdem die Stadt, welche die gemeinnützigen Auflagen des Ehepaares Lang niemals vollständig erfüllte, nun auch den Garten erhalten hatte, errichtete sie auf diesem im Sommer 1909 um 42.000 Kronen einen Quertrakt zum Rathaus mit einem drei Stockwerke hohen Steigeturm. In diesem Quertrakt erhielt unter anderem die Freiwillige Feuerwehr Innsbruck weitere Räumlichkeiten.

Der Rettungsabteilung wurden insgesamt drei zusätzliche Räume zugesprochen. Es handelte sich um die ehemaligen Polizeiarreste, die offenbar frei wurden, weil im Quertrakt neue eigerichtet worden waren. Wahrscheinlich schlossen sie direkt an den urprünglichen Stationsraum an. Dieser wurde nun nur mehr als „Verbandszimmer“ verwendet. Direkt daran anstoßend lag ein Aufenthalts- und Schlafzimmer für den Kutscher und die beiden ständigen (=hauptberuflichen) Sanitätsmänner. Dann folgte der Aufenthaltsraum für die Freiwilligen. Der vierte Raum diente als Geräteraum sowohl zur Lagerung der Transportgeräte als auch als Magazin. Der Boden war zementiert und ein Wasseranschluss zur Reinigung der beiden Wägen vorhanden. Alle Lokale waren elektrisch beleuchtet. Die Kosten für Wasser, Strom und Heizung wurden von der Stadt Innsbruck getragen.

Das „Freiwilligenzimmer“

Das sogenannte „Freiwilligenzimmer“ lag, wie erwähnt, neben dem Aufenthaltsraum für die Hauptamtlichen und diente als Kanzlei sowie als Tag- und Nachtraum für die ehrenamtlichen Dienstmannschaften. Mit dem Umbau von 1909 hatte die Rettungsabteilung erstmals einen Telefonanschluss erhalten, der im Telefonbuch für das Jahr 1910 mit der Rufnummer 300 aufscheint. Sie war damit nicht mehr unter der Telefonnummer der Feuerwehr, sondern unter eigener Nummer erreichbar. Die Sprechstelle befand sich ebenfalls im Freiwilligenzimmer. Neben dem Telefon war eine Schalttafel für zehn Nebenstellen angebracht. Hier liefen Direktanschlüsse zu sechs Mitgliedern auf, um im Großschadensfall sofort ausreichend Personal zur Verfügung zu haben. Mit dem Telefonanschluss hatte die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck auch ihre erste Massenalarmordnung eingeführt. Außerdem wurden in der Stadt 33 Unfallmeldestellen errichtet, die mit entsprechender Hinweistafel und Standleitungstelefonen zur Wache sowie Verbandskästen und Transportgeräten ausgestattet waren. In dem Raum war zudem eine Fotografie von Gustav Riegl aufgehängt. Riegl hatte als Kommandant der Sanitätsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck (1897-1899) 1897 diese einer von Branddirektor Viktor Baron Graff angestoßenen Reorganisation unterzogen, die 1907 die Umwandlung in eine Rettungsabteilung und die Aufnahme des öffentlichen Rettungsdienstes durch diese überhaupt erst ermöglichte. Die Fotografie befindet sich heute im Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck

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Ernst Pavelka, 14.05.2019