Exponat des Monats 05/2017

Aus Rotkreuz Museum Innsbruck
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Im ⇨ Online-Museum wird jeden Monat ein Gegenstand aus dem ⇨ Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck vorgestellt.

Die Firstfeier des Rettungsheimes in der Wilhelm-Greil-Straße 23 am 14. Mai 1927

Der Hausbau in der Wilhelm-Greil-Straße 23, 1926/1927

Bereits Anfang 1925 hatte die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck am „Ende der verlängerten Wilhelm-Greil-Straße“ einen Grund mit der damaligen Adresse Welsergasse 7a käuflich erworben. Man wollte einen Schritt in Richtung der Umsetzung des Traumes von einem eigenen Rettungsheim, den man bereits vor dem Ersten Weltkrieg gehegt gehabt hatte, gehen. Nachdem man die Finanzierung für die Kosten des Baues von rund 500.000 Schilling aus verschiedenen Quellen aufstellen hatte können, wurde von der seit September 1925 aus der Feuerwehr ausgeschiedenen, nunmehrigen Freiwilligen Rettungsgesellschaft Innsbruck ab Ende Oktober 1926 in rund einjähriger Bauzeit ein Haus errichtet. Es handelt sich um jenes Gebäude, in dem sich heute das Audioversum befindet. Der Bau sollte dabei nicht nur als Rettungswache dienen, sondern auch Wohnungen, Geschäftslokale zur Vermietung und mit den Kammerlichtspielen ein Kino beherbergen, um den Baukredit von 265.000 Schilling zu amortisieren. Mit dem Hausbau von 1926/27 in der Innsbrucker Wilhelm-Greil-Straße 23 beginnt somit auch die betriebswirtschaftliche Tradition der Freiwilligen Rettung Innsbruck, die bis heute gepflegt wird.

Karl Dornach: Die Firstfeier des Rettungsheimes in der Wilhelm-Greil-Straße 23 am 14. Mai 1927. – Fotografie (Ansichtskarte) : s/w, 14x9 cm. – Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.
Die Aufnahme ist am Samstag, dem 14. Mai 1927, zu Mittag im Rahmen der Firstfeier des in Bau befindlichen Rettungsheimes in der Wilhelm-Greil-Straße 23 entstanden. Es handelt sich um die einzige Quelle des Archivs der Freiwilligen Rettung Innsbruck, welche die Firstfeier für den 14.05.1927 belegt. In der Monatsversammlung vom 05.05.1927 war die Feier zwar für Mai stattfindend angekündigt worden, selbstredend aber noch nicht mit feststehendem Datum.

Abgebildet in der Mitte der rund 70-köpfigen Gruppe, die wohl hauptsächlich aus Handwerkern der bauausführenden Fa. Huter & Söhne besteht, mit Handtasche und durchaus auffälligem Hut Ottilie Stainer (1880-1953) vom Präsidium des Patriotischen Landes- und Frauenhilfsvereines vom Roten Kreuz in Tirol. Die beim Roten Kreuz sowie in der Friedens- und Frauenbewegung höchst engagierte Offizierstochter war Mitglied eines eigens gegründeten Überwachungsausschusses zur Kontrolle der Verwendung der Gelder für den Wacheneubau und fungierte später auch als Hauspatin. Rechts von ihr Ing. Julius Gruder, der als Obmann des sog „Aktionskomitees“ einen Gutteil der Gelder zur Deckung der Kosten des Neubaues auftreiben hatte können und dessen Baufirma von der Freiwilligen Rettungsgesellschaft Innsbruck mit der Bauleitung beauftragt worden war. Als zweiten rechts hinter Ing. Gruder sehen wir den Obmann der Freiwilligen Rettungsgesellschaft Innsbruck, Leo Stainer, seinen Obmann-Stellvertreter und Zeugwart, Anton Gasser, direkt rechts von ihm, als Vertreter der Bauherrin. Auf dem Dachstuhl weht die Fahne des Roten Kreuzes.

Im Tiroler Anzeiger vom 16.05.1927 wird über die Feier folgendermaßen berichtet:
Auf dem vom soeben fertiggestellten Dachstuhl gekrönten und mit dem üblichen Firstschmuck versehenen Neubau, von dem eine schöne Rote-Kreuz-Flagge wehte, scharten sich die Arbeiter um Zimmermeister G r o l l, der mit einem gefüllten Glas ein dreifaches Hoch auf den Obmann der Innsbrucker Rettungsgesellschaft Leo S t a i n e r und den Bauleiter Kommerzialrat Ing. G r u d e r ausbrachte. Polier S a u r w e i n brachte ein Hoch auf die Baufirma H u t e r und den Zimmermeister G r o l l aus. Am Fuße des Neubaues hatten sich mehrere Funktionäre der Rettungsabteilung mit Obmann Leo S t a i n e r, Kommerzialrat Ing. G r u d e r und Frau Oberst S t a i n e r vom Roten Kreuz zur Firstfeier eingefunden. Nachdem von den versammelten Arbeitern und Funktionären eine Lichtbilderaufnahme gemacht worden war, gedachte Kommerzialrat Ing. G r u d e r in schlichten Worten der heutigen Feier, die einen Markstein in der Entwicklung der gemeinnützigen Rettungsgesellschaft bildet. Er fügte den herzlichsten Dank an alle an, die zur Errichtung und Vollendung des Baues, der einem edlen Zweck dienen wird, beigetragen haben. In erster Linie galt der Dank der Sparkasse Innsbruck, der Stadtgemeinde Innsbruck und den Firmen, die ihre besten Kräfte dem bedeutungsvollen Werke widmeten. Ein dreifaches Hoch auf alle, die sich um das neue Rettungsheim verdient gemacht haben, schloß die vom herrlichsten Maiwetter begünstigte Firstfeier. Tiroler Anzeiger (1927) 20, Nr. 112, 16.05.1927, S. 5, Sp. 2-3.

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Ernst Pavelka, 14.05.2017