Exponat des Monats 03/2017

Aus Rotkreuz Museum Innsbruck
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Im ⇨ Online-Museum wird jeden Monat ein Gegenstand aus dem ⇨ Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck vorgestellt.

„Patriae ac humanitati“ – Silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration

Die Kriegsopferfürsorge stellt die ursprüngliche Kernaufgabe und einen der wichtigsten Tätigkeitsbereiche des Roten Kreuzes dar.

Am Abend des 24. Juni 1859 wurde der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant bei der Durchreise zufällig mit den Folgen der Gräuel der Schlacht bei Solferino zwischen österreichischen auf der einen und sardinischen sowie französischen Truppen auf der anderen Seite konfrontiert. Die Verwundeten der rund 15-stündigen Schlacht wurden weitgehend von der ortsansässigen Bevölkerung versorgt. Tief erschüttert, half Henry Dunant spontan bei der Betreuung der Verletzen mit. 1862 schrieb er seine Erlebnisse in „Eine Erinnerung an Solferino“ nieder und begann sich für die Schaffung einer im Kriegsfall neutralen Hilfsorganisation einzusetzen. 1863 wurde das „Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege“ gegründet und am 22. August 1864 auf einer Konferenz die „1. Genfer Konvention zur Verbesserung des Schicksals der verwundeten Soldaten der Armeen im Felde“ verabschiedet. Am 21. Juli 1866 trat auch Österreich der Genfer Konvention bei.

1914 stiftete Kaiser Franz Joseph I. als oberster Schirmherr der Österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens der Genfer Konvention dreistufige Auszeichnungen für Leistungen von Rotkreuz-Angehörigen im Frieden wie im Kriegseinsatz. Es handelte sich um den Verdienststern sowie das Ehrenzeichen erster Klasse und das Ehrenzeichen zweiter Klasse vom Roten Kreuz. Den Ehrenzeichen erster und zweiter Klasse entsprachen die Silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuz und die Bronzene Ehrenmedaille vom Roten Kreuz. Wurden die Auszeichnungen für besondere Hilfsleistungen im Kriegsfalle vergeben, so waren sie mit der sog. „Kriegsdekoration“, einem grünen Eichenlaubkranz versehen.

Silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration an der Damenmasche, Vorder- und Rückseite, 3,6x4,4 cm (BxH) ohne Masche (Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck, Bestand Alberta Leitner 1916).

Das Motto „Patriae ac humanitati“ („Für Vaterland und Menschlichkeit“) deutet auf die enge Bindung, welche das Rote Kreuz damals noch an das nationale monarchische Staatswesen hatte, hin.

Silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuz mit der Kriegdekoration an der Damenmasche in der Originalschachtel mit Zeitungsausschnitt über die Verleihung der Medaille an Alberta Leitner (Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck, Bestand Alberta Leitner 1916).

Das Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck besitzt eine ganze Reihe an Exemplaren der 1914 von Kaiser Franz Joseph I. gestifteten Auszeichnungen. Bei der vorliegenden Ehrenmedaille vom Roten Kreuz mit der Kriegdekoration handelt es sich um eine Schenkung der Familie Leitner. Die Ausgezeichnete Alberta Leitner, in der Erwähnung im beiliegenden Zeitungsauschnitt fälschlich „Albertine“ genannt, war im Ersten Weltkrieg als Mitglied der Sanitätsabteilung „Innsbruck II“ im Reservespital Nr. 1 in Bielitz (Schlesien) stationiert.

Die Kriegshilfsdienstleistungen der Österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz bestanden damals zum einen in der Durchführung des sog. „Verwundetenabschubes“ auf den Bahnhöfen, meist durch die Rettungsabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren, andererseits im Einsatz von medizinischem Personal in Versorgungseinrichtungen wie Reservespitälern sowohl im Hinterland als auch an der Front. Im ersten Balkankrieg (1912) hatte die österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuz erstmals Hilfspersonal direkt in ein Kriegsgebiet entsandt. Unter den Chirurgen hatte sich damals auch der spätere Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie in Innsbruck Burghard Breitner, der ab den frühen 1930er-Jahren Generationen von Sanitätern des Innsbrucker Roten Kreuzes mitausbilden sollte, befunden. Österreichische, insbesondere aber Tiroler Einheiten waren im Bereich der Seuchenvermeidung und Hygiene federführend.

Das Reservespital Bielitz wurde 1915 errichtet. Die Kriegslage war im Osten damals schon sehr zugespitzt. Deswegen wurde Sanitäts- und militärisches Personal vom Westen in den Osten der Monarchie abkommandiert. Auch Hermann Stainer, der Sohn des Gründervaters der Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr, Leo Stainer fiel 1915 in Bielitz durch einen Kopfschuss. Im Mai deselben Jahres trat Italien in den Krieg ein, wodurch der Westen zum Kriegsschauplatz wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass die Sanitätsabteilung „Innsbruck II“ spätestens 1916 zurückbeordert wurde. Die Zeitung aus dem der dem Bestand beiliegende Aussschnitt stammt, konnte nicht ermittelt werden. Laut der Tochter war Alberta Leitner die Auszeichnung aber 1916 verliehen worden.

Krankenschwestern des Roten Kreuzes mit Angehörigen der K.-u.-k.-Armee (Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck). Das Bild wurde vermutlich 1915 in Innsbruck aufgenommen. Neben dem K.-u.-k.-Garnisonsspital und dem k.-u.-k.-klinischen-Reservespital wurden 1917/18 in Innsbruck noch 12 Reservespitäler und 19 Notreservespitäler betrieben. Davon standen das Vereinsreservespital vom Roten Kreuz im Pädagogium (heute: Bundesoberstufenrealgymnasium Fallmerayerstraße ) und das Notreservespital Schloss Mentlberg unter der Verwaltung des Patriotischen Landes- und Frauenhilfsvereines vom Roten Kreuz für Tirol, des Tiroler Ablegers der Österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz.

Eine der Krankenschwestern trägt eine Bronzene oder Silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuz. „[D]as Ehrenzeichen zweiter Klasse [wird] an einem […] 37 Millimeter breiten Bande an der linken Brustseite [getragen]. […] Die Ehrenmedaillen werden am Bande des Ehrenzeichens zweiter Klasse auf der linken Brustseite getragen. […] Inhaberinnen der Ehrenzeichen erster und zweiter Klasse sowie der Ehrenmedaillen tragen die dieselben ­an einer aus dem vorgeschriebenen Bande in Maschenform geknüpften Schleife.“ (Das neue Ehrenzeichen für Verdienste um das Roten Kreuz. Oesterreichische Kreuz-Zeitung vormals „Das Rote Kreuz“. Zentralorgan für alle Wohlfahrts- und Wohltätigkeitsbestrebungen (1914) XXIX, Nr. 3, S. 5-6).

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Ernst Pavelka