1881-1907 Frühgeschichte des Innsbrucker Rettungswesens

Aus Rotkreuz Museum Innsbruck
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Frühe Rettungsgesellschaften, welche die öffentliche Aufgabe, erkrankte und bei Unfällen verletzte Personen medizinisch zu versorgen und ärztlicher Hilfe zuzuführen, übernahmen, findet man in Küstenländern bereits im 18. Jahrhundert. Man hatte dort häufig mit Ertrinkungsnotfällen zu kämpfen, sodass man sich in diesen Ländern auch früh mit Maßnahmen zur Wiederbelebung wie künstlichen (Be-)atmungen zu beschäftigen begann. Auf dem Gebiet der österreichisch-ungarischen Monarchie zeigen sich erste behördliche Anordnungen zur Schaffung organisierter Strukturen zur Hilfeleistung bei Unglücksfällen etwa in derselben Zeit unter Maria Theresia und Joseph II. Trotzdem beginnen sich auf dem europäischen Festland organisierte sanitätsdienstliche Strukturen erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu entwickeln. Sie entstehen häufig innerhalb des älteren Feuerwehrwesens und emanzipieren sich erst nach und nach davon.

Auf dem Gebiet des heutigen Österreich stellte der Wiener Ringtheaterbrand in der Nacht vom 8. auf den 9.12.1881, bei dem rund 400 Menschen starben, den Anlass zur Gründung von Rettungsorganisationen dar. Ein Lampenanzünder hatte sieben Minuten vor Beginn der zweiten Vorstellung von Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ aus Unvorsichtigkeit mit einer Gaslaterne auf der Bühne einen Dekorationsvorhang entzündet, der durch die Schnürbodenarbeiter, nachdem sie das Feuer bemerkt hatten, nach oben gezogen worden war, und so sofort auch den Schnürboden in Brand setzte. Da man es verabsäumte, den eisernen Vorhang herunterzulassen, griff das Feuer rasch auf den Zuschauerraum über. Die Feuerwehr musste von Privatpersonen zu Fuß alarmiert werden, da zwar das Ringtheater einen Anschluss des zu diesem Zeitpunkt seit acht Tagen bestanden habenden Wiener Telefonnetzes besaß, nicht aber die Feuerwehr. Diese war aufgrund falscher Annahmen über die Ausmaße des Brandes 25 Minuten nach dessen Ausbruch für die Rettung von Personen schlecht ausgerüstet (keine Sprungtücher, keine Schubleitern) am Ort des Geschehens erschienen, was vor allem die Rettungsmaßnahmen verzögert hatte. Dazu kam, dass die Türen des Theaters nur nach innen aufgingen, sodass die vor dem Feuer flüchtenden und in Panik gegen die Ausgänge drängenden Menschen das Gebäude nicht verlassen, umgekehrt aber die Feuerwehr nicht eindringen konnte, da die im Inneren aufgetürmten Leichen die Eingänge versperrten.

Der Brand hatte deutlich gemacht, dass für die Bewältigung von Großschadensereignissen mit Massenanfällen von Verletzten die vorhandenen Einrichtungen der Feuerwehr nicht ausreichend waren. Deshalb wurde schon einen Tag nach dem verheerenden Theaterbrand die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft gegründet.

Im selben Jahr taucht auch innerhalb der 1857 von Franz Thurner aus der Turnerbewegung heraus gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck erstmals eine eigene Sanitätsabteilung auf. Es wäre nun naheliegend, anzunehmen, dass auch ihre Schaffung im Zusammenhang mit dem Wiener Ringtheaterbrand steht. Tatsächlich hatte die Sanitätsabteilung aber schon vor dem Brand im Wiener Ringtheater bestanden. Bei der Schlussübung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck am 2.10.1881 trat sie unter Korpsarzt Dr. Franz Greil erstmals öffentlich in Aktion:

„Es war ein Brand in der Weyrer'schen Fabrik in der Sillgasse angenommen. Das Brandobjekt war direkt anzugreifen und die nächste weitere Nachbarschaft zu schützen. […] Die Sanitätsabteilung der Feuerwehr erschien bei dieser Uebung unter Leitung des Hrn. Dr. Med. Greil in neuer und vollständiger Organisirung [sic]; sie ist jetzt mit einer Tragbahre, mit Schienen und Verbandzeug für Bein[-] und Armbrüche u. dgl. ausgestattet und zeigte ihre Fertigkeit in dem Anlegen verschiedener Verbände an einem supponierten Verwundeten.“
Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, 07.08 Berufsfeuerwehr Innsbruck: FREIWILLIGE FEUERWEHR INNSBRUCK (Hg), Jahresbericht der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck für das Jahr 1881, Innsbruck 1881, 14-15.